Einzeln sind wir Worte,
zusammen ein Gedicht
Georg Bydlinski

 

Für Literaturfans:

Veröffentlicht am 20.3.2020 von Renate
 

Peter-André Alt: Jemand musste Josef K. verraten haben - Erste Sätze der Weltliteratur und was sie uns verraten.

Am Beginn jeder Erzählung steht ein Verführungsversuch. (S. 10) Wie wahr dieser erste Satz des Buchs von Peter-André Alt ist. Denn was ist es, das uns dazu verführt, ein Buch zu kaufen? Das Cover, der Titel und? Genau, der erste Satz. Wenn er uns nicht überzeugt, nicht verführt, wenn er uns nicht hineinzieht in das Buch, dann hat es schon verloren und wir lassen es in der Buchhandlung zurück.

Peter-André Alt ist Literaturwissenschaftler an der Freien Universität Berlin und Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Er hat u.a. Bücher über Schiller, Kafka oder Freud veröffentlicht. Und nun schreibt er über erste Sätze der Weltliteratur. Er zitiert fast 250 erste Sätze, von Homer über Goethe, Poe, Twain, Grass, bis Patrick Süßkind, Michel Houellebecq, Paula Hawkins. Er analysiert, wie sich die ersten Sätze über die Jahrhunderte verändert haben, was damals und was heute ihre Absicht, ihre Intention ist.

Und danach ist sein Buch gegliedert. Nach dem, was die ersten Sätze sagten und sagen. Darin spiegelt sich auch immer die jeweilige Art der Rezeption von Literatur, von Romanen wider. So tarnen sich im frühen 18. Jahrhundert die Autoren bzw. die Erzähler gerne als fiktive Herausgeber: Romanlektüre ist des Teufels, weil sie zu erotischen Phantasien verführt, die Einbildungskraft anheizt und von den Aufgaben des Tages ebenso wie von den Pflichten der Vernunft ablenkt. …. Aus diesem Grund greifen viele Autoren der Zeit zu einer schon in der Antike vertrauten Strategie, indem sie ihre Erzähler zu Herausgebern mutieren lassen. Diese behaupten, sie hätten das Manuskript mit der nachfolgend gebotenen Geschichte nur zufällig gefunden …. (S. 50-51).

Im ersten Satz eines Romans kann aber auch schon die Person des Protagonisten mit wenigen Worten eingeführt werden, so prägnant, dass der Leser zu diesem Zeitpunkt bereits ein bestimmtes Bild, eine feste Vorstellung der Figur erhält. Beispiele dafür finden sich bei Dostojewski in den Brüdern Karamasow oder bei Döblin in Berlin Alexanderplatz. Andere Schriftsteller anderer Zeiten führten dem Leser im ersten Satz den genauen Ort der Handlung vor Augen, so Victor Hugo in Der Glöckner von Notre Dame. Oder sie erzeugen schon im allerersten Satz eine solche Spannung, dass der Leser danach das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann.

Das Buch von Peter-André Alt führt viele bekannte, oft zitierte erste Sätze als Beispiele an, aber auch auf die weniger berühmten lenkt er unsere Aufmerksamkeit. Es geht ihm um die Bedeutung des ersten Satzes, um die Wichtigkeit und das, was ein erster Satz verspricht. Der erste Satz kann die Wahrheit sagen oder sie verschleiern, er kann eine Offenbarung oder eine Lüge aussprechen. (S. 72)

Mich hat dieses Buch fasziniert. Ich werde keinen Roman mehr zur Hand nehmen können, ohne mir die Wirkung des ersten Satzes bewusst zu machen. Und natürlich bietet dieses Buch auch heutigen Autor*innen reichlich Lehrstoff.

Kein leichter Lesegenuss, für Literaturbegeisterte aber ein Lesemuss.

Peter-André Alt: Jemand musste Josef K. verleumdet haben – Erste Sätze der Weltliteratur und was sie uns verraten
C.H. Beck, Februar 2020
Gebundene Ausgabe, 262 Seiten, 26,00 €

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Draußen oder drinnen

Veröffentlicht am 13.3.2020 von Renate
 

Weißt du, welche Frage ich mir oft stelle? Diese hier: Wieso sitze ich stundenlang zu Hause am Schreibtisch, zermartere mir das Hirn und mir fällt nichts, aber auch gar nichts ein? Kaum gehe ich raus, betrete ein Café, sitze am Tisch zwischen all den anderen Leuten und mitten in all dem Lärm, rennt mein Stift quasi wie von selbst über das Papier. Oder wenn wir bei den Treffen unserer Autorengruppe eine Schreibviertelstunde einlegen, dann braucht es nur ein paar Momente und ich weiß, was ich schreiben möchte.

Warum ist das so?

Ich weiß von anderen Autoren, dass es ihnen ähnlich geht. Und denken wir an das berühmteste Beispiel, J.K. Rowling. Wo hat sie ihre Bestseller geschrieben? Eben.

Oder anderer, ähnlicher Fall: Ich brüte seit Stunden über einer möglichst tollen, prägnanten Formulierung. Und? Nix, ein Abgrund aus Nichts. Sobald ich aber beispielsweise am Herd werkele oder spazieren gehe, schwupps, ist die geniale Idee da – übrigens passiert das gerne auch nachts im Bett oder morgens unter der Dusche, wie jede Autorin weiß.

Aber nun mal im Ernst: warum ist das so? Ich wünschte, ich wüsste die Antwort. Denn dann, das ist ja klar, hätte ich meinen schon lange geplanten Roman fertig, eine eigene Anthologie verfasst und überhaupt und so weiter.

Was wäre nämlich die Lehre,

die wir aus des Rätsels Lösung ziehen würden? Dass wir natürlich dann alle außer Haus künftig unsere Geschichten und Romane verfassen und keiner würde mehr zu Hause am Schreibtisch vor leeren weißen Blättern verzweifeln. Ganz nebenbei würde das vielen kleinen Cafés in vielen kleinen Städten das Überleben sichern. Dabei fällt mir ein, dass mir gerade kürzlich der Betreiber eines sehr gemütlichen Cafés von einer Gästin erzählte, die manches Mal Stunde um Stunde bei ihm an einem Tisch sitzt und Seite um Seite füllt. Sie schriebe an einem Roman, habe sie ihm gesagt. Nun kann es natürlich sein, dass diese Autorin zu Hause vier Kinder im Kleinkindalter hat, dazu fünf Hähne, zwei bis drei Pferde und, das schlimmste von allem, einen Ehemann und sie deswegen fliehen muss, um in Ruhe schreiben zu können. Diese Fälle gibt es sicher zuhauf, aber die meine ich nicht. Denn da ist der Unterschied zwischen draußen und drinnen greifbar und offensichtlich.

Ich frage mich das jedenfalls immer wieder und ich habe bisher noch keine Antwort darauf gefunden. Es wäre ja auch interessant, mal zu hinterfragen, ob das nur belletristischen Autor*innen so geht oder auch denen von Sachbüchern oder auch Journalist*innen und anderen, die schreiben.

Meine Theorie ist,

dass uns zu Hause die falschen Dinge ablenken. Ich kann für mich bestätigen, dass meine Gedanken, wenn ich am meinem Schreib-Schreibtisch sitze, sich gerne auch mal mit dringend zu erstellenden Einkaufslisten beschäftigen oder mit dem grauslichen Chaos in der Schublade unten links im Kleiderschrank. Wenn wir außer Haus sind, fremde Leute beobachten, fremden Gesprächen lauschen, dann entspannen wir vielleicht (oder wahrscheinlich) wesentlich mehr als in der eigenen häuslichen Umgebung. Und schon entspannt unser Hirn, die zu Hause mühsam zu erringende Konzentration kommt hier ganz von allein und, voilà, plötzlich fällt uns der perfekte Text ein - na ja, erstmal eher unperfekt, aber er wird schon.

Aber das kann doch nun nicht tatsächlich bedeuten, dass wir alle besser schreiben, wenn wir nicht in den eigenen vier Wänden sind. Wie schafft man es also, dass man die Atmosphäre, das Entspanntsein, das Nicht-an-anderes-Denken, auch zu Hause erreicht? Hierfür ist mir noch keine Theorie, geschweige denn eine Lösung eingefallen? Sobald es geschieht, bist du die Erste, die es erfährt, versprochen.

P.S. Eine provokante Frage zum Schluss: könnte hier auch eine Ursache liegen, warum es mehr erfolgreiche Autoren als Autorinnen gibt??? Nur mal so in den Raum geworfen…..

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Rat-Geber

Veröffentlicht am 21.12.2019 von Renate
 

Einen Rat annehmen schadet nie. Dann kann es auch nicht verkehrt sein, zwei Ratschläge anzunehmen. Hier stelle ich zwei neue Ratgeber von Stephan Waldscheidt vor:


Stephan Waldscheidt: Der Erzähler

Jedes Wort, das der Leser in Ihrem Roman liest, kommt vom Erzähler (Seite 12). Wenn sich das doch mehr Autoren zu Herzen nehmen würden. Dann würde auch manche Rezension positiver ausfallen.

Ich gestehe, ich bin ein großer Fan der Sachbücher von Stephan Waldscheidt, die sich alle mit dem Thema Kreatives Schreiben befassen. Stephan Waldscheidt hat bereits etliche Bücher über verschiedene Aspekte des Kreativen Schreibens veröffentlicht. Außerdem schreibt er in entsprechenden Zeitschriften, Foren und Blogs. Unter verschiedenen Pseudonymen verfasst er Romane und Thriller.

Was seine Bücher von den vielen anderen Ratgebern für Autoren unterscheidet ist, dass sie sich mit ganz spezifischen Aspekten innerhalb des Themas Kreatives Schreiben befassen. Davon zeugt der Ober-Titel der Reihe „Meisterkurs Romane schreiben“ und dafür ist das vorliegende Buch ein weiteres Beispiel.

Dabei sollte auch die Rezension nicht verschweigen, dass dieser Ratgeber eher für Fortgeschrittene, für Autoren mit einiger Schreiberfahrung geeignet ist. Waldscheidt sagt dies selbst im Vorwort, mit der Ergänzung, dass natürlich auch Roman-Anfänger herzlich eingeladen sind, das Buch zu lesen. Sie werden dabei allerdings von vielen Problemstellungen lesen, denen sie vermutlich bislang noch nicht begegnet sind. Wobei ich hinzufügen möchte, dass selbstverständlich auch Autoren von Kurzgeschichten von der Lektüre dieses Buches durchaus profitieren können.

Der Erzähler ist, so banal es klingen mag, derjenige, der den Roman erzählt. Der Erzähler ist nicht der Autor. Sondern er (oder sie) ist die wichtigste Figur im Roman. Der Erzähler begleitet die Leser*innen durch den Roman, er soll sie führen und verführen, sie unterhalten und natürlich vor allem ihnen als der naheste Beobachter die Geschichte des Romans „erzählen“. Der Erzähler ist Kurator, Filter, Fokus, Verstärker und Wandler (S. 60).

Um all diese Funktionen erfüllen zu können, muss der Erzähler Vertrauen aufbauen, er muss zur Vertrauensperson des Lesers werden. Wie Autor*innen es erreichen, dass die Leser*innen Vertrauen zu ihrem Erzähler haben, ihm durch einen ganzen Roman folgen, das schildert Waldscheidt in seinem Buch. Er erläutert detailliert die Unterschiede zwischen einem sichtbaren und einem unsichtbaren Erzähler, er erklärt, wann ein objektiver und wann ein subjektiver Erzähler besser geeignet ist, die Leser*innen zu überzeugen und er vermittelt die Vor- bzw. Nachteile eines zuverlässigen gegenüber einem unzuverlässigen Erzähler.

Ein Nebeneffekt der Lektüre des Ratgebers von Stephan Waldscheidt für mich wird sein, dass ich künftig beim Lesen vermehrt auf den Erzähler achten werde. Wobei es vermutlich genau so ist, wie Waldscheidt schreibt: je besser der Erzähler gewählt und je besser er geschaffen ist, desto weniger wird die Leserin ihn spüren, wahrnehmen. Ein schlechter Erzähler hingegen kann den Lesegenuss erheblich stören.

Was das vorliegende Buch auszeichnet, ist diese Spezifizierung auf ein bestimmtes Thema. In den vielen Büchern zum Kreativen Schreiben, die ich bisher gelesen habe, darunter wie gesagt nahezu alle von diesem Autor, wird der Erzähler und seine Bedeutung durchaus erwähnt, aber so ausführlich und lehrreich hat sich noch keines damit beschäftigt. Dieses Verdienst liegt bei Stephan Waldscheidt.

Ein Wermutstropfen sei dennoch erwähnt. Schmerzlich vermisst habe ich in diesem Buch seinen spritzigen, herzerfrischenden Humor. Sicher blitzt er hin und wieder zwischen den Zeilen auf, gerne bei seinen Kommentaren zu den vielen Beispielen, die er im Buch bringt. Doch genau der humorvolle, augenzwinkernde Vortrag seiner Ratschläge hilft mir, sie zu verstehen, zu erinnern und dadurch auch, sie umzusetzen.

Überhaupt Beispiele: dies ist ein wirklich erwähnenswerter Aspekt der Bücher von Stephan Waldscheidt. Aus eigenen Schulungen, die ich gebe, weiß ich: nichts vermittelt Lehrinhalte besser als Beispiele. Also schon von daher funktioniert das Buch über den Erzähler.

Stephan Waldscheidt: Der Erzähler – Verführer, Tourguide, Entertainer und Basis der Erzählperspektive
Independent, August 2019
Paperback, 168 Seiten 14,99 €


Stephan Waldscheidt: Die Stimme

Ein weiterer wichtiger Ratgeber, der sich nahtlos an den kurz zuvor herausgegebenen Titel „Der Erzähler“ anschließt. Ein Sachbuch, das sich eines sehr spezifischen Themenbereichs des Kreativen Schreibens annimmt: den Stimmen von Autor, Erzähler und Charakteren.

Auch dieses, das neueste Buch von Stephan Waldscheidt, ist vor allem für fortgeschrittene Romanautoren geeignet. Sich der eigenen, der Autorenstimme, bewusst zu werden, zu lernen, sie von der Stimme des Erzählers unterscheidbar zu machen und darüber hinaus die Stimmen der Charaktere des Romans individuell zu gestalten, das erfordert Erfahrung, viel Selbsterkenntnis und Üben, Üben, Üben.

Stephan Waldscheidt, der mit diesem Buch seinen, nach eigenen Angaben, siebzehnten Schreibratgeber herausgebracht hat, dringt hier tief ein in all das, was eine Stimme ausmacht. Er hinterfragt, wodurch Stimme „entsteht“, was sie formt und wodurch sich die Stimme des einen von der des anderen unterscheidet. Diese analytische Betrachtung führt dann logisch dahin, zu lernen, wie es Autor*innen gelingen kann, die Stimme des Erzählers so auszugestalten, dass sie sich erkennbar von der Autorenstimme absetzt. Dabei scheint, so Waldscheidt, die Autorenstimme doch immer durch, so sehr sich die Verfasser von Romanen auch bemühen, ihre eigene Stimme zum Schweigen zu bringen. Als Beispiel verweist er auf Joanne K. Rowling, die unter einem Pseudonym ihre Krimis um den Detektiv Cormoran Strike veröffentlichen wollte. Eine Spracherkennungssoftware war dennoch im Stande, die Stimmmuster der Autorin der Harry-Potter-Romane auch in diesen Krimis wiederzuerkennen.

Was Waldscheidt in seinem Ratgeber ebenfalls betont, ist die Entwicklung einer Stimme. Wenn ein Charakter innerhalb der Geschehnisse in einem Roman eine erhebliche Entwicklung durchläuft, sich also beispielsweise von einer scheuen Maus in einen kämpferischen Löwen verwandelt, so schlägt sich das auch in der Stimme des Charakters nieder. Wer sich also zu Beginn eines Romans schüchtern, zurückhaltend ausdrückt oder vielleicht stottert, der spricht möglicherweise gegen Ende der Handlung fester, energisch und kraftvoll. Dies gilt dann selbstverständlich nicht nur für Dialoge, also wörtliche Rede, sondern auch für innere Monologe, Gedankengänge usw.

Wie auch schon bei seinem Buch zum Thema Erzähler wird auch dieser Ratgeber nicht nur mein Schreiben, sondern auch ganz sicher mein künftiges Lesen beeinflussen. Wie oft fragt man sich während der Lektüre eines Romans, was stört, was reißt mich raus, was irritiert mich. Und wie oft kann man dieses Gefühl zwar erkennen, aber den Grund dafür nicht nennen. Vielleicht war es ja die unpassende, nicht adäquat auf den Charakter zugeschnittene Stimme. Vielleicht drang statt des Erzählers zu sehr die Stimme des Autors zwischen den Zeilen hindurch. Darauf werde ich in Zukunft sicher achten. Waldscheidt sei Dank.

Stephan Waldscheidt: Die Stimme
Independent, November 2019
Paperback, 155 Seiten
14,99 €


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Einfach nur sagen

Veröffentlicht am 19.11.2019 von Renate
 

„Jemand versucht einzubrechen!“, erschrak Elisabeth.
„Wir machen auf keinen Fall die Tür auf“, beschloss Christine und fing an zu zittern.
„Hör auf, Martin! Sag so etwas nicht.“, fing Elisabeth noch mehr an zu zittern.
„Der ist wirklich verrückt.“, kicherte Elisabeth.
„Was hast du denn die ganze Woche gemacht?“, schaute Martins Mutter ihren Sohn neugierig an.
„Wer ist das denn überhaupt?“, sah der Vater Martin ein wenig begutachtend an.

„Ja, jetzt habt ihr ihn mal getroffen.“, fing Elisabeth an zu lachen.
„Wie wäre es mit tanzen?“, zwinkerte Martin zu Elisabeth.
„Wenn du mir dabei nicht auf die Füße trittst.“, lächelte Elisabeth zu Martin hinüber.
„Na da bin ich dankbar.“, sah Elisabeth ihre Familie erleichtert an.


Fällt Ihnen was auf? Ich hoffe es. Haben Sie schon mal einen Satz gekichert? Oder eine Frage geschaut? Eben. Diese Beispiele von sogenannten Redebegleitsätzen biegen mir ehrlich gesagt die Fußnägel nach oben. Das kommt dabei heraus, wenn ein*e Autor*in verzweifelt versucht, besonders abwechslungsreich zu schreiben und nicht jedes Mal sagte und fragte zu verwenden. Übrigens sind alle diese Beispiele, die ich verfremdet habe (und die deswegen auch keinerlei Sinn mehr ergeben, ich weiß das), aus einem einzigen Text entnommen.

Aber mal ganz ehrlich: Wie bewusst lesen Sie diese Begleitworte in einem spannenden Roman? Ich gestehe, dass ich sie kaum wahrnehme, ganz besonders, wenn mich die Handlung wahnsinnig fesselt. Was, das muss ich zugeben, manchmal dazu führt, dass ich irgendwann den Faden verliere und nicht mehr ganz sicher bin, wer denn nun gerade spricht. Na und dann schau ich einfach ein paar Zeilen nach oben und finde den Faden wieder. Und alles ist gut.


Wenn aber solche absurden Redebegleitwörter verwendet werden, dann reißt mich das brutal aus meinem Lesefluss. Ich kann doch nicht einen Satz „anfangen zu zittern“. Sorry, aber das ist schon ein echtes Extrembeispiel.


Einfach nur sagen oder fragen, vielleicht noch antworten. Mehr braucht es nicht. Schauen Sie mal in einen der Harry-Potter-Romane, schlagen Sie willkürlich eine Seite auf. Ich habe das mal gemacht und siehe da: bei einem über zwei oder drei Seiten gehenden Gespräch hat Joanne Rowling kein anderes Begleitwort als sagte oder fragte verwendet. Und sind die Bücher gut? Eben.


Aber ich will nicht nur negativ über diesen Text urteilen. Denn eines konnte der/die Autor*in: richtig formatieren. Das ist nämlich noch so ein Aspekt, der mir regelmäßig besagte Fußnägel verformt. Wie viele Autor*innen schreiben einfach drauf los, zwei, drei, vier Seiten ohne einen einzigen Absatz, ohne neue Zeilen zu beginnen bei neuer wörtlicher Rede und was es da an wunderbaren Einfällen noch gibt. Doch darauf werde ich sicher ein anderes Mal noch näher eingehen. Heute soll es sich ja um die Redebegleitsätze drehen. Schauen wir doch mal, wie die obigen Beispiele klingen, wenn wir „vernünftige“ Begleitworte verwenden:


„Jemand versucht einzubrechen!“, rief Elisabeth.
„Wir machen auf keinen Fall die Tür auf“, sagte Christine und fing an zu zittern.
„Wer ist das denn überhaupt?“, fragte der Vater, der Martin ein wenig begutachtend ansah.
„Ja, jetzt habt ihr ihn mal getroffen.“, sagte Elisabeth und lachte.
„Der ist wirklich verrückt.“, sagte Elisabeth.
„Was hast du denn die ganze Woche gemacht?“, fragte Martins neugierige Mutter ihren Sohn.
„Na da bin ich dankbar.“, sagte Elisabeth. Ihre Erleichterung sah man ihr an.


Zugegeben, den Pulitzer-Preis gewinnt man damit auch nicht, aber Sie verstehen, was ich meine, nicht wahr? Ein bisschen umformulieren und Sie können auch mit sagen, rufen oder fragen all das transportieren, was Sie ausdrücken möchten. Nur, bitte, auch das geht gar nicht: „Wenn du mir dabei nicht auf die Füße trittst.“, antwortete Elisabeth lächelnd. Haben Sie schon mal versucht, gleichzeitig zu lächeln und zu sprechen? Eben.


Ich sag (!) mal so: niemand ist gegen Irrtümer und Fehler gefeit. Damit meine ich, dass so etwas auch den besten und berühmtesten Autor*innen passiert. So what. Aber doch bitte nicht permanent und so verkrampft wie in dem Beispiel. Dann wird das, was wir schreiben, richtig gut.

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Vor-Gelesen

Veröffentlicht am 14.8.2019 von Renate
 

Vielleicht geht es Ihnen ja auch so: Sie sind auf der Suche nach einem Buch zu einem Thema, das Sie gerade beschäftigt. Sei es ein Sachbuch oder ein Roman. Dann finden Sie ein passendes Buch, aber ist es auch gut? Erfüllt es die von Ihnen hineingesetzten Erwartungen? Was jetzt hilft, ist eine Rezension. Wir wissen natürlich, dass jede Buchbesprechung immer nur den Geschmack des Rezensenten widerspiegelt, aber als Entscheidungshilfe ist es doch schon mal kein schlechter Anfang.

Das dachte ich auch und habe daher für Sie einmal ein Buch über das Schreiben und Veröffentlichen von Romanen gelesen. Hier meine Meinung dazu:

Axel Hollmann / Marcus Johanus: Romane schreiben und veröffentlichen für Dummies
Taschenbuch: 346 Seiten
Verlag: Wiley-VCH, März 2019, € 16,99

Ein typisches Dummies-Buch, mit all den bekannten Strukturen, den Symbolen, den Cartoons, dem Aufbau. Es ist ein für Anfänger sehr gut geeignetes und geschriebenes Nachschlagewerk, deckt es doch all die Bereiche ab, die einen angehenden Autor interessieren mögen.

Axel Hollmann und Marcus Johanus sind bekannt durch ihren Kanal „Die Schreib-Dilettanten“, ein sehr unterhaltsames Programm für mehr oder weniger professionelle Schriftsteller. Beide sind dazu selbst Autoren, von Thrillern bzw. Fantasy-Romanen. Sie wissen also, wovon sie reden.

Das Buch ist sinnvoll aufgebaut, beginnend mit allgemeinen Hinweisen und Hintergründen über das Handwerkszeug für das Schreiben von Romanen – Planen, Schreiben, Überarbeiten - bis hin zu den verschiedenen Wegen der Publikation. Allerdings, und ich denke (oder hoffe), das war den beiden Autoren vorher bewusst: sie können das Rad nicht neu erfinden. Das heißt, fast alles, was sie in ihrem Buch darstellen, gibt es so und ähnlich schon in hundert anderen Büchern über das Schreiben – und zwar professioneller, detailreicher und tiefer gehender. Das ist nicht negativ gemeint, auch über Stricken oder über Fußball gibt es sicher Hunderte Bücher. Aber ich hatte doch den Eindruck, dass Hollmann und Johanus wenig bis gar keine neuen Erkenntnisse bringen. Über ihre eigenen Erfahrungen erzählen sie allerdings viel. Ständig erfährt man, wie sie es machen, so oft, dass es nach einer Weile doch ein wenig nervt.

Was mir zu rar gesät ist, sind gute Beispiele. Eben außer dem Verweis auf die Arbeitsweise der beiden Autoren selbst. Ich bin eifrige Leserin des Blogs von Marcus Johanus, in welchem er kleine, feine Hilfen gibt. Die hätte ich gerne in diesem Buch wiedergefunden. Das war leider nicht der Fall, was aber vielleicht den Vorgaben des Formats der Dummies-Reihe geschuldet ist.

Was mir aber auf jeden Fall sehr gut gefallen hat, ist der Teil über all die Schritte, die nach dem Wort „Ende“ unter dem Manuskript folgen. Denn darüber schweigen sich die meisten Bücher zum kreativen Schreiben aus. Das ist wie bei einem Liebesfilm, der in der Regel mit der Hochzeit endet. Über den Alltag in der Ehe erfährt man nichts mehr. Und so erwähnen die wenigsten Schreib-Ratgeber all die Hürden und Probleme, die mit dem Korrigieren, Lektorieren und Veröffentlichen von Romanen zusammen hängen. Das tut dieses Buch von Hollmann und Johanus. Die Beiden verschweigen nicht die Schwierigkeiten, sie nennen die möglichen Kosten, beschreiben die Frustration und die Euphorie, die mit diesem Aspekt des Schreibens verbunden ist. Und sie geben viele nützliche, handfeste Informationen wie Namen, links und Webseiten von Verlagen oder Agenturen und all die anderen wichtigen Dinge, die ein Autor, der nur ans Schreiben denkt, gerne unterschätzt. Dabei gehen sie u.a. auch auf die Vor- und Nachteile von Self-Publishing im Vergleich mit Verlagsbüchern sehr detailliert ein. Hier ist dieses Buch eine wirklich hilfreiche Ergänzung zu den Büchern, die sich „nur“ mit dem Schreiben selbst befassen. Der Schreibstil der Autoren dieses Handbuchs ist erfrischend, das Buch kann man flott und entspannt von vorne bis hinten durchlesen, einige humorige Zwischenbemerkungen lockern den an sich doch trockenen Stoff auf. Die einzelnen Themenkomplexe sind kurz und übersichtlich gehalten. Über die mehrfachen Wiederholungen von teilweise wortgleichen Sätzen und die leider auch vorhandenen Druckfehler kann man dabei hinwegsehen.

Alles in allem ist es ein empfehlenswertes Buch, es ist für Anfänger sehr gut geeignet, die eine Basis an Wissen über das kreative Schreiben suchen. Oder wie gesagt, als Nachschlagewerk. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, sollte sich zusätzlich weitere Bücher zum Thema besorgen.

Ob Ihnen dieses Buch am Ende gefällt und Ihren Ansprüchen genügt, müssen Sie selbst entscheiden. Es würde mich freuen, wenn Sie Ihre Eindrücke hier mit uns teilen.

An dieser Stelle werden Sie künftig immer mal wieder interessante Rezensionen finden. Schauen Sie vorbei.
Bis dahin

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Meine Ecke finden

Veröffentlicht am 30.10.2018 von Renate
 

Wenn Sie eine Buchhandlung betreten, in welche Ecke streben Sie? Welches Regal zieht Sie magisch an? Die Thriller, mit den dunklen, oft blutbefleckten Covern? Die Krimis mit den Titeln in großen Lettern? Oder die „Frauenliteratur“, mit den romantisch mit Herzen, Blumen oder Schmetterlingen verzierten Titelseiten? Oder gar der Sachbuchbereich, mit den Ratgebern, den Fachbüchern und Nachschlagewerken?

Anders gefragt: Welches ist Ihr Lieblings-Genre? Was haben Sie vor allem zu Hause im Regal stehen? Soll ich ehrlich sein? In meinen Bücherregalen findet sich alles, Thriller, Krimis, Romanzen, sogenannte Literatur und auch das eine oder andere Sachbuch. Das einzige das kaum vertreten ist, ist Fantasy, aber das hat vielleicht etwas mit dem Alter zu tun 😉

Und was sagt das über mich aus? Nicht das Alter, sondern die Mischung in meinem Bücherregal? Erstmal doch, dass mich alle Genres interessieren. Aber es erklärt vielleicht auch etwas:
Gemeinhin wird gelehrt, dass man in dem Genre schreiben soll, welches man selbst am liebsten liest. Nun, für einen Krimifan oder eine Romantikerin ist das dann ganz einfach. Aber was ist mit den Autoren, die einfach (fast) alle Arten von Büchern mögen, die sich nicht festlegen lassen auf ein Favoritengenre?

Das wäre dann so jemand wie ich. Ich habe schon mehrfach versucht, zu verstehen, in welchem Genre ich eigentlich „unterwegs“ bin. Schreibe ich spannend? Schreibe ich über Beziehungen? Schreibe ich sachlich, romantisch, vielleicht lustig? Mit anderen Worten: in welche Ecke des Bücherregals gehört das, was ich schreibe?

Aber ist es so wichtig? Muss alles ein Etikett haben, muss alles in eine Schublade gehören? Na ja, im „wirklichen“ Leben habe ich es gerne ordentlich, da muss alles in sein Fach, sein Kästchen. Aber Schreiben ist doch etwas Kreatives, macht es da Sinn, sich Fesseln anzulegen, bestimmte Erwartungen zu bedienen, nur weil meine Geschichte, mein Roman in ein bestimmtes Genre passen muss?

Ich glaube, die Antwort ist nicht einfach. Ich glaube, die Antwort ist ja und nein. Beim Schreiben schon daran zu denken, du musst jetzt bestimmte Erwartungen erfüllen, das Genre, das du bedienen willst, verlangt dies und das, solche Gedanken können für die Kreativität, für die Inspiration tödlich sein, fürchte ich. Andererseits, wenn wir solche „Regeln“ gar nicht beachten, woher soll die Buchhändlerin später wissen, in welches Regal sie unseren Roman stellen soll? Wie sollen wir dann genau die Leserin erreichen, an die wir beim Schreiben gedacht haben?

Vielleicht liegt wie immer die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Kann es nicht sein, dass sich im Laufe des Schreibens von ganz allein herausstellt, was man schreibt? Je mehr ich schreibe, desto mehr entwickelt es sich. Je mehr ich schreibe, desto klarer wird, worüber ich schreibe, was mich beschäftigt. Anderen fällt es eher auf als mir selbst, dass meinen Texten immer wieder das gleiche Thema zu Grunde liegt, nicht weil ich es so will, es ergibt sich einfach.

Und damit findet das, was ich schreibe, dann doch noch seine Ecke. Ganz freiwillig.

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Nicht stehen bleiben

Veröffentlicht am 7.3.2018 von Renate
 

Einer meiner guten Vorsätze für dieses Jahr (wie für jedes Jahr) und fast der einzige, der die ersten Wochen eines neuen Jahres überlebt, ist der: Nicht stehen bleiben!
Damit meine ich nicht (nur), dass ich in Bewegung sein sollte, sondern dass ich nicht bei dem bisher Erreichten stehen bleibe. Also nicht auf den Erfolgen des vergangenen Jahres und nicht auf dem bis jetzt Gelernten ausruhen.
Ich lerne immer gerne Neues dazu, auch und vor allem was das Schreiben angeht.
Nicht umsonst wächst meine ohnehin schon recht umfangreiche Bibliothek mit Sachbüchern zum Thema Kreatives Schreiben stetig an. Beim Lesen dieser Ratgeber juckt es mich stets, sofort jenen Tipp oder diesen Vorschlag auszuprobieren.
Ich bin auch sehr oft auf einschlägigen Blogs unterwegs (hier finden sich ein paar interessante Links) Es ist Wahnsinn, wie viele nebenberufliche Autoren es gibt. Und dass so viele von ihnen ihre Erfahrungen mit anderen teilen ist schlicht großartig. Dank sei ihnen dafür.
Beim Stöbern in diesen Blogs fällt allerdings auf, dass fast alle sich mit dem Schreiben von Romanen auseinandersetzen. Plus etlichen, die sich mit Selfpublishing beschäftigen.
Viel seltener findet man Informationen zum Thema Kurzgeschichten. Die Kurzgeschichten kommen zu kurz! 😉
Umso mehr habe ich mich im Januar über die Beiträge von „Frau Schreibseele“ gefreut (blog.frau-schreibseele). Sie befasst sich tatsächlich einen ganzen Monat lang mit diesem Gebiet des Kreativen Schreibens. Und ihre Gedanken sind erfrischend und – jedenfalls für mich – außerordentlich hilfreich. So fragt sie am Anfang erst einmal, warum man Kurzgeschichten schreiben soll(te), um dann ganz praktische Tipps zu geben, wie man beim Schreiben vorgehen kann.
Natürlich gibt es noch andere Blogger, die sich - mal mehr, mal weniger positiv - zu Kurzgeschichten äußern, die will ich gar nicht unerwähnt lassen (Kurzgeschichten schreiben lohnt sich, Wie man eine verdammt gute Kurzgeschichte schreibt, uvm). Was mir bei „Frau Schreibseele“ so gut gefiel, war die komprimierte Darstellung dieser Thematik, der überschaubare Umfang an Text, der aber dennoch wirklich nützliche Hilfestellung bietet.
Hier übrigens auch noch ein Tipp von mir: im Buch „Romane und Kurzgeschichten schreiben“ von A. Steele, Autorenhausverlag, ISBN 978-3-86671-119-8, wird ebenfalls etwas ausführlicher auf die Kurzgeschichte eingegangen. Ein sehr empfehlenswertes Buch mit vielen Übungen.
Die Frage, warum die Kurzgeschichte zu kurz kommt bei Bloggern und Sachbuchschreibern würde ich wirklich gerne einmal ausführlicher erörtern. Sie sind herzlich eingeladen, mit uns darüber zu diskutieren. Ein naheliegender Gedanke ist dabei, dass, schaut man sich in Buchhandlungen und Büchereien um, auch deutlich weniger Kurzgeschichten als Romane gelesen werden. Ein Zusammenhang drängt sich also geradezu auf.
An diesem Faden werden wir sicher weiter spinnen.
Bis dahin: nicht stehen bleiben!

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Warum schreibe ich eigentlich?

Veröffentlicht am 23.9.2017 von Renate
 

Warum ich schreibe? Das frage ich mich auch.

Schreiben ist eine Herausforderung. Eine Art Kräftemessen zwischen mir und dem weißen Blatt. Leider gewinne ich nicht immer. Auch nicht öfter. Nur manchmal. Ganz selten.
Schreiben ist ein Hobby, für dessen Ausführung ich meinem noch größeren Hobby, dem Lesen, genüsslich und ohne schlechtes Gewissen frönen kann – kann ich es doch immer als „Lernen von anderen“ deklarieren.
Schreiben erschafft etwas Bleibendes, etwas, das ich hinterlasse, wie Spuren im Schnee. Es bleibt vielleicht nicht für lange, aber für einen Moment hat es Eindruck gemacht.
Schreiben macht glücklich, mich und andere. In dem, was ich schreibe, können sich andere wiederfinden. Wie die Zuhörerin, die mir bei einer Lesung leidenschaftlich zuruft, dass meine Geschichte exakt die Geschichte ihrer Tochter erzähle, genau deren Gefühle wiederspiegele.
Schreiben zerrt an den Nerven. Wenn es nicht vorangeht, ein Termin im Nacken sitzt, die Inspiration sich verleugnet und das weiße Blatt – wieder einmal – siegen will.
Schreiben öffnet den Blick, auf mich und auf andere. Wenn ich verwundert erkenne, dass meine Geschichten meist um das immer gleiche Thema kreisen. Wenn sich ein, mein Stil herauskristallisiert. Wenn ich lerne, andere besser zu verstehen indem ich über sie schreibe.
Schreiben macht Spaß. Die Suche nach dem einen, einzig passenden Ausdruck, nach genau der Formulierung, die meinen Gedanken zum Leser transportieren kann. Das Feilen an Sätzen, Absätzen, Kapiteln. Und vor allem das Erschaffen der Figuren.
Schreiben ist anstrengend. Es führt zu schmerzhaften Verspannungen im Nacken und den Schultern von zu langem Sitzen am Schreibtisch, zu Kopfschmerzen vom vielen Denken, zu Ärger mit Freunden und Familienmitgliedern, die sich vernachlässigt fühlen, zu Selbstverdammung und Verzweiflung.
Schreiben ist lehrreich, es zeigt mir meine Grenzen, aber auch Fähigkeiten, die ich vielleicht bislang gar nicht erahnt hatte.
Schreiben ist eine Leidenschaft, die mit Leiden Freude schafft.
Schreiben schenkt mir ein Ziel, gibt mir Halt und Richtung.
Schreiben erhöht den Koffeinbedarf.
Schreiben vertreibt Einsamkeit.
Schreiben raubt den Schlaf.
Schreiben macht süchtig.
Schreiben macht stolz.

Warum ich schreibe? Ehrlich? Keine Ahnung

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Familienzusammenführung

Veröffentlicht am 19.8.2017 von Anneliese
 

Das im Jahre 2016 ins Leben gerufene Projekt einer Zusammenarbeit mit Menschen, die von ViaNobis betreut werden, und den SiebenSchreibern wurde in diesem Jahr fortgesetzt. Erstmals habe ich mich an dieser „Schreibpatenschaft“ beteiligt. Schon beim ersten Treffen aller Beteiligten war meine anfängliche Sorge, ob ich den richtigen Zugang zu den „Patenkindern“ finden würde, verflogen. Es war eine nette Runde, in der wir uns alle gegenseitig neugierig betrachteten und vorstellten. Die Rollenverteilung, also welche Interview-Partner zusammen arbeiten würden, klappte so problemlos, dass es erstaunlich war. Die Klienten von ViaNobis hatten fast alle spontan genaue Vorstellungen, wen sie als Schreibpaten wollten. Und auch umgekehrt war da schon so eine Ahnung, mit wem man gerne arbeiten würde. So war es jedenfalls bei mir. Einige Blickkontakte mit einem jungen Mann neben mir genügten, und schon war klar: wir würden das Interview führen. Mein Interviewpartner P.T. war sehr gesprächsbereit und offen. Ein junger Mensch mit vielen Interessen und Talenten, der bastelt, werkelt, Theater spielt und viel unternimmt. Heimat wäre für ihn, und das ist sein großer Traum, wieder Kontakt mit seinem Bruder zu haben. Ich konnte spüren, wie traurig er darüber war und wie sehr er seinen Bruder vermisst. Trotz mehrmaliger Versuche seinerseits, besonders während der Krankheit ihrer Mutter, hat dieser sich weder bei ihr noch bei ihm gemeldet. Das belastet P.T. sehr und macht traurig. Es hat mich angerührt, wie vertrauensvoll er mir seine Geschichte erzählte. Mit den zahlreichen Informationen aus seinem Leben auf meinem Blatt und in meinem Kopf fuhr ich dann nach Hause. In einem fiktiven Brief an seinen Bruder habe ich sie zusammengefasst. Nach einem weiteren gemeinsamen Treffen mit allen Beteiligten wurden die Texte von den Schreibpaten vorgelesen. Unsere Patenkinder konnten sich allesamt mit unseren nach ihren Erzählungen entstandenen Geschichten identifizieren. Während einer öffentlichen, von ViaNobis organisierten Lesung Ende Juni lernte ich die Tante von P.T. kennen. Sie wollte den fiktiven Brief gerne mitnehmen und an ihren zweiten Neffen weiterreichen.
Die Wochen vergingen. Bei einem Treffen mit Mitarbeitern von ViaNobis erfuhr ich, dass die Brüder nach vielen Jahren wieder Kontakt aufgenommen haben. Und das aufgrund des Briefes, der durch die Schreib-Patenschaft entstanden ist. Darüber habe ich mich sehr gefreut – denn das war ja der größte Wunsch meines jungen Interviewpartners. Ich stelle mir sein Lächeln und seine strahlenden Augen vor und hoffe für ihn, dass nach dem ersten Kontakt wieder eine Annährung möglich ist.

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Sieben Jahre - Sieben Schreiber

Veröffentlicht am 10.5.2017 von Günter
 

Sieben Jahre SiebenSchreiber Wer hätte das im Mai 2010 erwartet? Damals wurde vom AWM Wegberg ein Projekt ins Leben gerufen, in welchem das kreative Schreiben gepflegt werden sollte. Unter dem Namen Schreibwerkstatt trafen sich die Menschen, aus denen schließlich die SiebenSchreiber wurden: Inga Lücke, Renate Müller, Annemarie Lennartz, Cora Imbusch, Anneliese Baatz, Peter C. Schmidt und Günter Arnolds. Zentrales Element ist bis heute die Freude am Schreiben. Und die Überzeugung, dass Schreiben eben kein „einsames Hobby“ ist, sondern sich viel erfolgreicher und angenehmer in einer Gemeinschaft ausüben lässt. Nicht zu vernachlässigen ist dabei die Tatsache, dass hierfür die Entwicklung eines weitgehenden gegenseitigen Vertrauens zwischen den Mitgliedern der Gruppe ein wesentliches Element darstellt, da man bei eigenen Texten immer ein gerüttelt Maß an persönlichen oder vor allem zu Beginn sogar autobiographischen Aspekten einfließen lässt. Stand zunächst das Erlernen von Schreibtechniken mit Bezug zu verschiedenen Genres im Mittelpunkt, gewann allmählich das themenbezogene Schreiben immer mehr an Bedeutung. Hieraus hat sich ein gewisses Alleinstellungsmerkmal der Autorengruppe der SiebenSchreiber entwickelt: Zu einem gemeinsamen, vorgegebenen Thema entstehen sieben individuelle Beiträge von sieben unterschiedlichen Blickwinkeln aus- mal als spannende Erzählungen, Krimis, Wortspielereien, berührende Gedichte oder wendungsreiche Geschichten. Die SiebenSchreiber arbeiten dabei gerne mit anderen Institutionen, Vereinen oder auch Einzelpersonen zusammen, sodass multimediale Lesungen entstehen, in denen das geschriebene Wort mit Musik, Fotos oder Malerei verknüpft wird. Zu nennen sind hier der Historische Verein Wegberg, öffentliche Büchereien oder auch Buchhandlungen und viele mehr. So werden die SiebenSchreiber immer häufiger zu bestimmten Themen eingeladen, die dann schriftstellerisch umgesetzt werden. Dass sich dabei auch ungewöhnliche Events ergeben, ist für die Gruppe gleichsam das „Salz in der Suppe“. Hingewiesen werden kann hier zum Beispiel in diesem Jahr auf eine Lesung zum Five o’clock tea in dem Kölner Teeladen „Genuss-Studio“, die im doppelten Sinn mit „Tee-Lese“ betitelt wurde und für die die SiebenSchreiber eigens hintergründige und überraschende Geschichten zum Thema Tee verfassten. Eine ganz neue Erfahrung ist auch die Zusammenarbeit mit Via Nobis und den Gangelter Einrichtungen, mit deren betreuten Klienten nach eingehenden Gesprächen Texte zum Thema „Heimat“ entwickelt wurden. Zu nennen ist hier auch die kürzliche Lesung auf Einladung des Vereins Bettrather Erzählcafé unter der Mitarbeit der Hochschule Niederrhein Mönchengladbach zum Thema „Lebenszeiten“, die auf große Resonanz traf. Lebenszeiten ist dabei auch der Titel des ersten Buches der Siebenschreiber aus dem Jahr 2015, welches natürlich einen weiteren Höhepunkt im Schaffen der Autorengruppe darstellt. Entsprechend hat sich der Wirkungsbereich der SiebenSchreiber über den engeren örtlichen Bereich allmählich in den weiteren regionalen Bereich von Krefeld bis Köln ausgedehnt. Die SiebenSchreiber treffen sich alle drei Wochen in der Wegberger Mühle. Nach „Lockerungsübungen“ zu Beginn stehen anschließend die Bearbeitung vorgegebener Schreibthemen und die Vorstellung eigener Texte samt deren Beurteilung durch die Mitglieder der Gruppe im Mittelpunkt. Natürlich geht es auch nach dem siebenjährigen Jubiläum der Wegberger Autorengruppe weiter. Es gibt noch viele Ideen- die nächsten Veranstaltungen sind schon geplant wie am 4. 6. in Wassenberg (org. von der „Bücherkiste“). Auf einen speziellen Höhepunkt im Jahr 2017 freuen sich die SiebenSchreiber wie immer ganz besonders. Im Oktober wird die traditionelle Herbstblätter-Lesung im Rahmen des Jahresprogrammes des Aktionskreises Wegberger Mühle AWM stattfinden. Die SiebenSchreiber laden hierzu ein und erwarten eine hoffentlich erneut mit Zuhörern restlos gefüllte Wegberger Mühle.

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Ersthelfer

Veröffentlicht am 1.8.2016 von Renate
 

Über den Erfolg der Vernissage unserer Ausstellung, die wir gemeinsam mit der Fotogruppe Wegberg auf die Beine gestellt haben, hat Günter ja schon berichtet. Inzwischen finden Sie auch Eindrücke davon auf unserer Rückblick-Seite. Das besondere Highlight aber ist das Fotobuch, in dem alle Fotos und Texte der Ausstellung präsentiert werden. Wir freuen uns sehr über die so schön gelungene Gestaltung des Buches.

Erinnern Sie sich noch an Ihren Erste-Hilfe-Kurs, den Sie für den Führerschein brauchten? Oder sind Sie vielleicht sogar ausgebildeter Ersthelfer? Dann kennen Sie auf jeden Fall die 5 W-Fragen:

  • Wo ist der Unfall passiert?
  • Was ist geschehen?
  • Wie viele Verletzte gibt es?
  • Welche Verletzungen liegen vor?
  • Warten auf Rückfragen

Diese Art von W-Fragen könnte man nun übertragen auf unsere Lieblingsbeschäftigung, das Schreiben und bekäme so einen möglichen Einstieg in eine neue Geschichte, ein neues Buch. Ich stelle mir es so vor:

  • Wer kommt in der Geschichte vor?
  • Was passiert in der Geschichte?
  • Wann spielt die Geschichte?
  • Wo spielt die Geschichte?
  • Wie und für wen ist sie geschrieben?

Mit diesen simplen Fragen beziehungsweise den Antworten darauf habe ich das Grundgerüst meiner Geschichte zusammen:
Frage 1: Wer ist Protagonist, wer Antagonist in meiner Geschichte, welche Personen kommen vor, was für Typen sind das? Ich muss mir also Gedanken machen über die Hintergründe des auftretenden "Personals".
Frage 2: Welches Thema stelle ich mir, was ist der Konflikt, was das Ziel meines Protagonisten? Warum will er/sie dieses Ziel erreichen? Was hilft ihm/ihr dabei, welche Hürden stehen im Weg? Hier ist ja oft der eigentliche Ausgangspunkt, also hätte man das auch als erste Frage formulieren können. Denn zuerst ist da ja mal die Idee.
Frage 3: Das ist erstmal natürlich die Zeit, zu der sich die Handlung zuträgt, also beispielsweise die Gegenwart oder vielleicht schreibe ich auch eine Geschichte, die in der Steinzeit spielt. Zum zweiten ist es aber auch der Zeitlauf der Geschichte, dauert sie einen Tag, ein ganzes Leben oder spielt sie sich innerhalb von wenigen Minuten ab.
Frage 4: Ist eigentlich selbsterklärend. Ich muss natürlich, bevor ich mit dem Schreiben beginne, wissen, wo die Handlung stattfindet. Schließlich kann der Ort unter Umständen großen Einfluss auf die Handlung haben. Und der Leser möchte auf jeden Fall wissen, wo er sich befindet.
Frage 5: Für mich ist das vielleicht die am schwersten zu beantwortende der fünf Fragen. Wie bedeutet welches Genre will ich schreiben, mit welcher Stimme will ich erzählen, soll es lustig sein, dramatisch, spannend, erotisch und so weiter. Und schließlich für wen. Wie stelle ich mir meinen Leser, meine Leserin vor? Das ist eine ganz wichtige Frage, immerhin kann ich für Kinder nicht genauso schreiben wie für Erwachsene – und das sind nur zwei sehr offensichtliche Lesertypen, es gibt wirklich noch unendlich viele mehr.

Das sind meine fünf "Ersthelfer". Ich bin davon überzeugt, dass diese Fragen sehr hilfreich sind bei der Entwicklung einer Geschichte oder auch eines Romans. Wer nicht gerade völlig ungeplant drauf los schreibt, der kann sich an diesen Fragen entlanghangeln und hat damit ein gutes Konzept, um nicht zu sagen die Grundzüge des Plots. Wer jetzt allerdings behauptet, danach gehe das Schreiben dann ganz von allein, den bitte ich, mir zu zeigen, wie das funktioniert.
Übrigens, da man ja immer nur besser werden kann, laden wir alle anderen der schreibenden Zunft ein, uns ihre Tipps zu schicken. Wir werden Ihre Anregungen gerne ausprobieren.
Bis zum nächsten Mal

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Neue Erfahrung

Veröffentlicht am 19.7.2016 von Inga
 

Neuer Wind mit einem neuen Projekt: eine wunderschöne Erfahrung. Nachdem wir im vergangenen Jahr bei ViaNobis im Hückelhovener Cafe Lebensart eine Lesung veranstaltet hatten, kamen eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter von ViaNobis auf eine tolle Idee: Warum nicht gemeinsam einmal etwas unternehmen? Die SiebenSchreiber haben das (Werk)zeug zum Schreiben und die Menschen, die von ViaNobis betreut werden, haben viel erlebt und viel zu erzählen. So übernahmen drei der SiebenSchreiber sozusagen Schreib-Patenschaften für jeweils zwei Menschen aus dem Betreuten Wohnen. Was dann in diesen sechs Partnerschaften entstand, war eine wunderschöne Erfahrung für alle Beteiligten. Im Interview erzählten die "Patenkinder", was für sie Heimat bedeutet und welche Erfahrungen, Wünsche und Sehnsüchte sie damit verbinden. Schnell entstand eine Atmosphäre erstaunlicher Offenheit und Dichtheit. Mit dem Erzählten gingen dann die SiebenSchreiber nach Hause und brüteten: wie kann das Gehörte in eine schriftliche Form gebracht werden, so, dass die Patenkinder sich darin wiederfinden und doch die Intimität der Interviewatmosphäre gewahrt bleibt. Beim nächsten Treffen wurden bei Kaffee und Kuchen die Ergebnisse ausgetauscht und alle Patenkinder waren sehr zufrieden, fanden sich in den Texten wieder und fühlten sich verstanden. Ein Stein fiel uns Paten vom Herzen, dass dieser sensible Prozess so gut gelungen war. Wie es typisch für uns SiebenSchreiber ist, gingen die Ergebnisse mal wieder durch alle Genres: Kurzgeschichte, Gedicht, Brief, Dialog, Märchen und ein fiktives Selbstgespräch. Wir alle wissen noch nicht, wie es weitergeht, doch haben wir die Ahnung, dass dieses erst der Auftakt zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit ist. Ein ganz herzliches Dankeschön an unsere "Patenkinder" für Ihre Bereitschaft und Offenheit und ein ganz besonderer Dank an die Initiatoren für die Idee, die Organisation und die einfühlende und inspirierende Begleitung des Projektes!

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Schreiben verbindet!

Veröffentlicht am 12.6.2016 von Günter
 

Die Vernissage zur Eröffnung der Ausstellung "Zeit in Wort und Bild" am 7. Juni ist gut gelaufen. Trotz des schlechten Wetters hatten überraschend viele Zuhörer/Zuschauer den Weg in die Wegberger Mühle gefunden. Interessant waren auch wieder die Gespräche vorher, mittendrin und nachher mit unseren Gästen. Das besondere Highlight war dabei für mich zweifelsohne der Besuch von zwei Damen, Mitgliedern bei den "Textwebern" aus Krefeld. Also einer Autorengruppe wie wir - auch noch ziemlich gleich lang bei der Arbeit wie wir. Der Erfahrungsaustausch war so intensiv, dass er nach Ende der Vernissage noch in Japi's Bistro fortgesetzt wurde. Ich glaube, wir hatten viel Spaß!!! Das nächste gemeinsame Treffen wurde bereits terminiert auf den 5. Juli in Krefeld bei der nächsten Veranstaltung der Textweber.

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Ein Zeichen setzen

Veröffentlicht am 26.5.2016 von Renate
 

Ich gestehe, dass mir das Überarbeiten meiner Geschichten mindestens so viel Freude macht wie das Schreiben an sich. Das Feilen, Ausbessern, Justieren, das Nachhören und –spüren: Wie fühlt sich das an, was da steht? Passt dieses Wort? Fehlt jenes? Sollte ich das lieber streichen? Darüber kann ich stundenlang brüten.
Eines dabei allerdings hasse ich ausgiebig: zu überprüfen, ob alle Kommata richtig gesetzt sind. Wenn es das Gegenteil eines Friedensnobelpreises gäbe – der Erfinder der Kommaregeln hätte ihn verdient.
Mal abgesehen davon, dass ein gesetztes oder fehlendes Komma den kompletten Sinn eines Satzes verändert – Sie kennen die berühmten Beispiele – kann man über die Frage: Komma ja oder nein Stunden diskutieren. Und meines Wissens verweigert sogar die Autokorrektur von word die Auseinandersetzung mit den deutschen Kommaregeln.
Da lobe ich mir doch die Mathematik. Dort hat ein Komma eine eindeutige Funktion. Ob ich 1,33 € oder 133 € habe, macht einen durchaus fühlbaren Unterschied. Aber in der deutschen Zeichensetzung sind für mich die Regeln nie so eindeutig. Außer natürlich diejenige, dass am Ende eines Satzes ein Punkt steht. Hätte man es nicht bei dieser einzigen belassen können?
Beneidenswerte Berufsautoren können die Schuld an falsch gesetzter Interpunktion jederzeit auf ihre Lektoren abwälzen. Wir anderen werden jedoch allein dafür haftbar gemacht.
Falls Sie sich, im Gegensatz zu mir, für diese Materie erwärmen können und darüber hinaus ein gefühlsbetonter Mensch sind, schauen Sie mal bei Bastian Sick vorbei: Das gefühlte Komma.
Ein ganz anderes Kapitel im großen dunklen Buch der Zeichensetzung ist das Apostroph. Über das hartnäckig falsch verwendete Genitiv-Apostroph könnte ich noch seitenlang lamentieren und philosophieren. Aber lassen wir's dabei...
Damit soll es aber auch genug sein von diesem unerquicklichen Thema. Jetzt hätte ich nämlich fast vergessen, noch einmal auf die Eröffnung unserer Ausstellung hinzuweisen: am 7. Juni um 19 Uhr in der Wegberger Mühle Info . Ich hoffe, wir sehen uns.
Bis dahin ...

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Kommentar von: Inga Lücke

Datum: 16.7.2016 um 7:01
Hallo Renate, es ist schön Komma dass Du dieses leidige Thema einmal angesprochen hast Punkt Noch eine kleine Ergänzung dazu Doppelpunkt ich danke der neuen Rechtschreibregel Komma jedoch nur in diesem Punkt Komma die uns doch gewisse Freiheiten beschert hat Punkt

Frischer Wind

Veröffentlicht am 24.4.2016 von Renate
 

Miniaturen, das ist das Wort, das ich das letzte Mal gesucht hatte. Miniaturen, das passt perfekt auf die kleinen feinen Texte, die wir verfassen zu Fotos der Fotogruppe Wegberg.
Wie schon in 2011 steht über der Ausstellung der Fotos und Texte ein Thema. Diesmal heißt es Zeit. Dass es dazu viele Aspekte und Blickwinkel gibt, ist offensichtlich. Aber diese Gedanken in Worte zu fassen und diese wiederum präsentabel auf Papier zu bringen - das ist ein schweres Unterfangen.
Am 7. Juni ist Vernissage - wenn Sie das Ergebnis sehen möchten, wir freuen uns jedenfalls drauf.
All dieses Schreiben funktioniert ohne Austausch und Inspiration nicht. Und nicht ohne Motivation. Ich habe mir eine große Portion Motivation geholt - bei einem Schreibseminar an einem Wochenende in Ahrweiler. Es war perfekt - Hotel, Wetter, Mit"Schüler", Seminarleitung - ein wunderbares Erlebnis. Ich wünsche mir natürlich, dass die Wirkung noch lange anhält. Erstaunlich, welch Input, wie viele neue Ideen kommen, sobald man mit anderen über die eigenen Texte spricht. So wie wir das in unserer Gruppe nun schon seit 6 Jahren tun. Dies war aber jetzt frischer Wind, der durch mein Schreib-Hirn wehte. Neue Menschen kennenzulernen bedeutet auch neue Ideen zu bekommen, neuen Austausch, neue Gedanken. Das war sicher nicht das letzte Schreibseminar, an dem ich teilgenommen habe.
Wenn Sie ähnliche Erfahrungen haben, teilen Sie sie mit uns, empfehlen Sie uns das Seminar, an dem Sie teilgenommen haben und das für Sie eine nachhaltige Wirkung hatte. Oder warnen Sie uns auch, wo wir auf keinen Fall hingehen sollen. Wir freuen uns, von Ihren Erlebnissen beim Schreiben unter Gleichgesinnten zu lesen.
Möchten Sie gerne an Schreibwettbewerben teilnehmen? Wir auch. Deswegen von jetzt an hier auch immer mal wieder Hinweise auf Wettbewerbe, die kurz vor der Deadline sind. Über die jeweiligen Teilnahmebedingungen müssen Sie sich allerdings selbst kundig machen. Thema des Wettbewerbs, auf den ich Sie heute hinweisen möchte, ist "Die Farbe Rot". Näheres hier: www.literaturpodium.de
Soviel für heute, bis bald

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Kommentar von: Günter Arnolds

Datum: 25.4.2016 um 20:21
Miniaturen ist wirklich das richtige Wort für diese Texte zu den Bildern der Fotogruppe. Für mich liegt der Reiz darin, eine Verbindung zu schaffen zwischen diesen beiden Medien Foto und Wort.
Dabei stelle ich gar nicht den Anspruch, die Idee des Fotografen zu erraten oder zu kopieren. Auch will ich keinen Betrachter bevormunden oder meinen Text als einzig mögliche Erklärung des Fotos verstanden wissen. Vielmehr soll der Text nur ein Anreiz für jeden Betrachter sein, seine eigene Phantasie spielen zu lassen... Wenn dies funktioniert, wäre ich schon sehr zufrieden.

Schreibhilfe bekommen

Veröffentlicht am 26.3.2016 von Renate
 

So langsam werden die Füße wieder warm und der Schweiß auf der Stirn trocknet. Wie aufgeregt wir waren, bei unserer Lesung auf dem Benefizkonzert in Wegberg-Beeck vor zwei Wochen. Etwa 250 Menschen waren in die St Vincentius Kirche gekommen, um den WestVocals, der Formation DRY und uns zu lauschen. Wir hatten verdammt (sorry) kalte Füße und strohtrockene Kehlen, aber es hat sich gelohnt. Auf unserer Rückblick-Seite gibt's Bilder und einen Bericht.
Für alle Literaturgenres, für Romane, für Kurzgeschichten und Drehbücher gibt es Tipps, Anleitungen und Lehrbücher. Aber für solche Texte, wie wir sie für die Lesung zum Thema Flüchtlinge geschrieben haben, habe ich noch nichts gesehen, nicht im Regal beim Buchhändler und nicht im Internet. Dabei könnten wir das gut gebrauchen: auch unser nächstes Projekt verlangt uns einiges ab.
Ich will noch nichts verraten – schließlich wäre es ja schön, wenn Sie wieder mal vorbeischauen – aber ich hoffe, dass vielleicht jemand da draußen in der Welt der Schreibwütigen und Schreibkundigen, der uns auf unsrem Blog besucht, doch schon einmal eine Hilfe gesehen oder gelesen hat, die sich mit, ja mit was eigentlich, beschäftigt.
Es ist schwer zu benennen, weil mir dafür keine Gattungsbezeichnung einfallen will: es geht um kurze, prägnante Texte zu einem vorgegebenen Thema, vielleicht könnte man es Aphorismen nennen, es könnten auch Gedichte daraus werden, Gedankensplitter, etwas in der Art.
Wir haben so etwas schon gemacht, vor ein paar Jahren haben wir Texte verfasst zu Fotos der Fotogruppe Wegberg und etwas später zu Gemälden einer hiesigen Malerin. Wir hatten damit großen Erfolg, aber es ist nicht leicht. Wenn also jemand hierzu Tipps hat, wir sind für alle Infos dazu mehr als dankbar.
Dabei fällt mir etwas anderes ein: Schreibanleitungen und –anregungen gibt es zuhauf im Internet, manche sind wirklich hilfreich und ich kann es immer kaum erwarten, bis der nächste Blogartikel erscheint. Dies gilt insbesondere für diese beiden hier: Richard Norden und Marcus Johanus . Beider Blogs sind ein unerschöpflicher Quell an Tipps, Tricks und Ratschlägen – ich kann sie jedem, der schreiben und dabei immer besser werden möchte, nur wärmstens empfehlen.
Genug der Worte – erinnern Sie sich an meinen ersten Blogbeitrag? Die Häufigkeit bzw. die Länge meiner Blogtexte sagt etwas darüber aus, wie ich mit meinen Geschichten weiterkomme, wissen Sie noch? Also deswegen Schluss für heute, ich vertiefe mich in meinen Plot. Vielleicht verrate ich beim nächsten Mal mehr darüber.
Bis dahin

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Schweres Thema für eine Lesung

Veröffentlicht am 20.2.2016 von Renate
 

Tja, unsere "haarige" Lesung wurde leider abgesagt (nicht von uns). Sowas kommt vor, verdrießt uns auch gar nicht. Meine (immer noch erst halbfertige) Geschichte oder zumindest die Idee kann ich sicher irgendwann mal doch noch verwenden. Und außerdem: "Nach der Lesung ist vor der Lesung!"
Also haben wir uns mit Verve in die Vorbereitungen unserer Lesung auf dem Benefizkonzert in Wegberg-Beeck gestürzt. Gar nicht so leicht, denn das Thema ist "Flüchtlinge", das Konzert ist zu Gunsten der verschiedenen Wegberger Flüchtlingshilfen.
Es ist definitiv kein Thema, welches man mal eben so nebenbei in einer Geschichte oder einem Gedicht verarbeitet. Ähnlich wie bei der Themenstellung "Hundert Jahre Erster Weltkrieg" in 2014 ist auch das eine emotional sehr belastende Aufgabe. Wie sollen wir das angehen, von welcher Seite aus das Thema beleuchten? Wie nahe sind wir dem Thema überhaupt, können wir denn eigentlich wirklich etwas darüber aussagen? Wer von uns kennt Flüchtlinge und einzelne Schicksale nahe genug, um darüber schreiben zu können?
Wie immer haben wir viel diskutiert und manche oder mancher war kurz davor, sich "zu drücken", so schwer ist es uns gefallen, das, was wir fühlen und denken in Worte zu fassen. In diesen Situationen zeigt sich, wie schön es ist, in einer Gruppe zu schreiben, vor allem in unserer Gruppe. Keiner von uns hat Hemmungen, zuzugeben, wenn etwas nicht so läuft, wie er oder sie es sich wünscht, keiner scheut sich, zu sagen, wo es hakt und klemmt. Und dann sind die andere da und helfen und am Ende sind wir oft selbst überrascht über die Ergebnisse unserer Mühen.
Auch diesmal, und das sage nicht nur ich, können wir stolz sein auf das, was wir geschrieben haben. Wie jedes Mal sind sieben völlig verschiedene Texte – Geschichten, Gedichte, Gedanken – dabei herausgekommen, obwohl wir uns doch alle mit demselben Thema befassten.
Vielleicht kommen Sie ja zum Benefizkonzert am 12.März in der St. Vincentius-Kirche in Wegberg-Beeck, dann sehen oder vielmehr hören Sie es selbst. Über Ihre Meinung zu unseren Texten würden wir uns hinterher hier dann sehr freuen.
Bis bald wieder

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Ins Schreiben finden ...

Veröffentlicht am 5.1.2016 von Renate
 

Beim Schreiben ist man zwar nicht einsam, sollte aber allein sein. Wenn man nicht gerade J.K. Rowling ist, die ja bekanntlich ihre erfolgreichen Harry-Potter-Romane in belebten Cafés geschrieben haben soll, dann braucht man nämlich für das Schreiben Ruhe.
Ruhe und Konzentration – beides braucht man zum Schreiben. Aber ist endlich das eine gefunden, verabschiedet sich das andere.
Und da ist es schon, das große Problem der meisten (Hobby-)Autoren. Wer vom Schreiben leben kann, kann sich auch meist die entsprechenden Freiräume schaffen. Aber wir anderen, normal-sterblichen Schreiberlinge haben so viel anderes im Kopf und um die Ohren, dass es eine Herausforderung ist, sich die Ruhe und das Umfeld zu schaffen, so dass die Schaffenskraft sich voll entfalten kann. Arbeit, Haushalt, Familie, andere Hobbys, Freunde, Verpflichtungen, Ehrenämter und so weiter und so fort.
Und wenn dann endlich einmal alles erledigt, alle versorgt und alle Störungen ausgeschlossen sind – dann, ja dann sitzt man müde am Schreibtisch und möchte eigentlich nur noch die Füße hochlegen und die Augen schließen.
Aber nein, wir haben uns eine Aufgabe gestellt: wir wollen Geschichten zum Thema Haare schreiben, also buchstäblich haarige Geschichten. Eine Idee habe ich, im Grunde ist die ganze Geschichte fix und fertig in meinem Kopf – aber eben nur da. Und wie kommt sie da raus und rauf aufs Papier? Kaum liegen die Finger auf der Tastatur, ist das Hirn leer. Leerer als ein unbewohnter Planet, ohne Sauerstoff und ohne Nahrung. Leerer als leer.
Nein, stimmt ja gar nicht. Mein Kopf ist voll, voll mit Gedanken an die Blumen, die gegossen werden müssen, an die Geburtstagskarte, die ich noch schreiben muss, die Frage, was ich heute Abend kochen könnte – und über allem die Eine-Million-Euro-Frage – ohne Telefon- und Publikumsjoker: Wie fange ich an?
Also versuche ich es mit meiner einigermaßen bewährten Methode: ich denke an die Personen, die Figuren, die in meiner Geschichte die Hauptrollen spielen. Wenn ich ein festes Bild von diesen Menschen habe, von den Charakteren, ihren Gefühlen und ihrem Leben, dann kann es passieren, dass sich daraus die Geschichte entwickelt. Dabei passiert es mir oft, um nicht zu sagen meistens, dass eine ganz andere Geschichte entsteht als die, die ich vorab im Kopf hatte. Meine Figuren erzählen dann quasi selbst, sie erzählen es mir und ich bringe es zu Papier. Leider, leider funktioniert dies aber nicht immer und dann – siehe oben – sitze ich am Schreibtisch und meine Finger ruhen bewegungslos auf der Tastatur. Ich starre auf den weißen Monitor, bis mich plötzlich der Bildschirmschoner erschrickt, der, wie von mir vorgegeben, nach 20 (!) untätigen Minuten von allein einsetzt.
Um dann wenigstens etwas Kreatives zu Stande zu bringen, versuche ich es mit einem Text für unseren Blog. An der künftigen Häufigkeit meiner Blogbeiträge werden Sie also unschwer erkennen können, ob meine Geschichten Fortschritte machen oder nicht. Stellt sich die Frage, was zu bevorzugen ist ……
Bis zum nächsten Mal

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Verstanden

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